Erfahrungsbericht: 21.1 km – Halbmarathon beim Köln Marathon

Für mein Debüt auf der Halbmarathon – Strecke hatte ich mich vor knapp 4 Monaten bewusst für meine Heimatstadt Köln entschieden. Sollte doch „das erste Mal“ immer etwas besonderes sein und bleiben. Wie ich am Tag zurecht gekommen bin und wie ich die Veranstaltung fand, möchte ich Euch in diesem Erfahrungsbericht gerne mitteilen.

Registrierung und Preise

Online Registrierung via Formular

Die Meldung für den Köln Marathon und die dazugehörigen Läufe (Halbmarathon, Marathon-Staffel, Schülerlauf) erfolgt wie bei den meisten größeren Läufen über ein Online-Formular bzw. die Online-Plattform www.raceresult.com. Während in den Jahren zuvor, für die Zeitmessung, noch der Championchip von mika zum Einsatz kam, wurde dieser, dieses Jahr durch einen Einmal-Transponder ersetzt. Die Registrierung selbst ist eigentlich selbsterklärend und bietet dem Läufer die Möglichkeit, zahlreiche Addons wie Finisher und Teilnehmer – Shirt, Medalliengravour oder auch eine Rücktrittsersicherung komfortabel online dazu zu buchen. Neben der üblichen Überweisung, stehen aber auch andere Zahlunsmöglichkeiten wie zum Beispiel Lastschrift zur Verfügung

Preise

Wer bei der Anmeldung bares Geld sparen möchte, der muss schnell sein! In Köln sind die Preise nämlich gestaffelt. Während die, die sich bereits im alten Jahr dazu entscheiden den Lauf zu bestreiten, nur 44,00 € bezahlen, werden Kurzentschlosse, die erst am Rennwochenende Ihr Ticket buchen, mit 65,00€ zur Kasse gebeten werden.

Hier ist allerdings Vorsicht geboten! In den letzten Jahren war sowohl die Staffel als auch der Halbmarathon immer frühzeitig ausgebucht. So war zum Beispiel die Grenze von 15.400 Startern für den Halbmarathon bereits Mitte Juli ausgebucht. Derzeit diskutieren die Veranstalter mit Stadt und Polizei eine mögliche Erweiterung der Veranstaltung in 2019 um noch mehr Läufern die Möglichkeit zu bieten den Halbmarathon in Köln zu bestreiten. (https://www.rundschau-online.de/region/koeln/koeln-archiv/ausweitung-fuer-2019-anvisiert-grosse-plaene-fuer-den-koelner-halbmarathon-31366892)

Streckenführung Rheinenergie Halbmarathon Rheinenergie Marathon Köln 2018
Streckenführung des Rheinenergie Halbmarathon und des Rheinenergie Marathons Köln 2018

Die Vorbereitung

Kurz nach meiner Teilnahme an der Strong-12 Auflage des Strongmanruns am Nürburgring, hatte mich das Lauffieber wieder gepackt. Dadurch, dass auch mein Chef bereits angemerkt hatte das er an der halben Version des Köln Marathons teilnehmen würde, war der Entschluss schnell gefasst. Der mit der Wurst tanzt läuft nun auch Halbmarathon. Schnell entwickelte sich die Vorbereitung zu einem Wettkampf zwischen meinem Chef und mir, wer es im Monat schafft, die meisten km zu sammeln. Monat für Monat wuchs dadurch der Kilometerumfang und einzig die letzten 4 Wochen gestalteten sich schwierig bis katastrophal. Durch Messe und Krankheit waren nur 9 von 19 Einheiten möglich und der längste Lauf in der gesamten Vorbereitung umfasste somit nur knappe 14 km. Alles andere als optimale Voraussetzungen und ich spielte sogar stellenweise mit dem Gedanken von meiner Rücktrittsmöglichkeit gebrauch zu machen.

Der Tag des Rennes

Start Halbmarathon Köln 2018
Die letzten Sekunden laufen – Gleich setzt sich die Meute in Bewegung

Da die letzten Wochen vorm Rennen doch schlechter als erwartet liefen, schraubte ich meine Ziele vorm Start nochmal nach unten. Ankommen war das Ziel Nummer Eins. Im besten Fall vorm Besenwagen, welcher „angeblich“ bereits nach 2 Stunden 45 Minuten die Ziellinie überqueren sollte. Ich nahm mir also vor, definitiv nicht zu schnell zu starten und konstant Zeiten um 7:30 min pro km zu laufen und vielleicht bliebe dann am Schluss noch ein wenig „Luft“ für den Schlussspurt übrig.

Und so fuhren wir dann frühzeitig nach Köln und stressten uns erst garnicht mit der Parkplatzsuche im Startbereich, sondern fuhren ohne Umwege ins nahegelegene Parkhaus der Lanxes Arena. Hier konnte man mit dem Arena Ticket den ganzen Tag für knapp 5 € parken.

Im Startbereich angekommen musste nur noch der passende Transporter für meinen Starterbeutel gefunden werden und dann hätte man sich auch schon zum Startblock orientieren können. Da ich vorm Start aber noch eine Kleinigkeit essen wollte, begaben wir uns noch in den Deutzer Bahnhof, wohl fußläufig der einzige Ort, der um diese Uhrzeit offen hatte. Jedoch erwies sich bei der nass-kalten Witterung der Deutzer Bahnhof als reinstes Nadelöhr. Während die einen in den Bahnhof strömten und andere Tausende gerade ankamen und ihre Taschen verstauen wollten, hielt sich der Großteil in der Bahnhofsvorhalle auf, um sich im Trockenen ein wenig aufzuwärmen. Wer hier mit der Bahn anfährt sollte Zeit mitbringen.

Kölner Halbamrathon 2018 Läufer km 2
Läufer des Kölner Halbmarathons 2018 kurz vorm Kölner Neumarkt, die den Farben der Startnummern nach zu urteilen, deutlich vor mir diese Stelle passierten

Rot, gelb oder doch grün – was war nochmal mein Startblock

Meine Frau machte sich gegen 8:15 Uhr dann auf in Richtung andere Rheinseite um dort am Wegesrand auf mich zu warten. Ich hingegen machte mich auf die Suche nach meinen Startblock. Die Farbe meiner Startnummer war auch gleichzeitig mein Startblock: grau.

Während ich bei der Registrierung noch optimistiach und voller Vorfreude 2 Stunden 15 Minuten als Ziel angegeben hatte, wusste ich am diesen Tag bereits, wie schwer es würden werde. War ich doch mit meinem Ziel von 7:30 min pro Kilometer, mehr als eine Minute langsamer als Rest in meinem Startblock! Da ja generell alle nach dem Start dazu neigen, viel zu schnell loszulaufen, war mir bewusst, wie wichtig es werden würde, mich ausschließlich auf mich selbst zu konzentrieren. Wenn ich wirklich ankommen wollen würde, durfte ich mich auf keinen Fall davon anstecken lassen.

Startbereich Startblöcke Kölner Halbmarathon 2018
Angespannte Stimmung kurz vor dem Start des Halbmarathons Köln 2018

Der Startschuss auf eine wundersame Reise

Läufer Halbmarathon Köln 2018
Kurz nachdem ich das zweite mal den Kölner Rudolfplatz passiert hatte

Mein Startblock grau war der drittletzte Block und so dauerte es relativ lange bis wir dann endlich an der Startlinie standen und dem Schuß entgegen fieberten. In weiser Voraussicht hatte ich mich bereits sehr weit außen im Block eingeordnet, um beim Start niemanden im Weg zu stehen/laufen.

Was ich an dem Start interessant fand, war eine für mich völlig neue Variante des Massenstart in Blöcken. Während man sonst, mit seinem Block immer einen „Slot“ nach vorne rutscht, kam hier unser Block erst in Bewegung, als der Block vor uns auf die Strecke gelassen wurde. Zwar verlängerte es das Warten gefühlt schon, allerdings wussten wir auch, dass es jeden Moment los geht als wir endlich in Bewegung kamen.

Nach dem Start versuchte ich, wie angedacht, mich nicht zum schnellen Start der anderen verleiten zu lassen. Die Anderen liefen an mir vorbei als wäre ich nicht existent. Um so schwerer fiel es mir, mein eigenes Tempo zu finden. Nach noch nicht ganz einen Kilometer, mitten auf der Deutzer Brücke, kamen bereits die ersten Startnummern an mir vorbei, die eigentlich im Block hinter mir gestartet sein müssten. Ein Blick auf meine Uhr zeigte mir jedoch, dass auch ich deutlich schneller als der Plan war. Gefühlt war es aber auch einfach nicht möglich noch langsamer zu laufen und so pendelte ich mich dann auf 6:50 min bis 7:00 min pro Kilometer ein.

Bei km 3 ging es dann das erste Mal am Rudolfplatz vorbei, dem Zuschauerspot des Laufes. Noch 2 weitere Male sollten wir dort noch vorbei laufen. Ich hatte mich mittlerweile mit den 6:50 min / km angefreundet, auch wenn es deutlich über dem Plan und auch deutlich über dem Tempo meiner sonstigen langen Läufen lag. Mir gings gut und ich hatte das Gefühl doch deutlich schneller laufen zu können. So bremste ich mich immer wieder die nächsten Kilometer und sagte mir immer wieder: „genieße den Lauf! “

Zwischenfazit nach 10 km

Rheinenergie Halbmarathon Köln 2018 Läufer Unitunnel
Zwischen Km 7 und 8: Ich fühle mich noch richtig gut und glaube heute könnte es was werden.

Nach dem ich die ersten 10 km tatsächlich das Tempo halten konnte und weiterhin mit dem. Gefühl lief: da geht noch was, wurde ich langsam etwas mutiger. Jedoch bremste mich auch immer wieder der Gedanke, dass ich ja eigentlich garnicht wissen könne, was nach km 13 passieren würde. War ich doch im Training nie weiter als 14 km gelaufen. Als mir dann auf Dürener Straße die ersten Läufer wieder auffielen, die mich zu Beginn noch links haben stehen lassen, wusste ich heute könnte ein guter Tag werden.

Die Aufholjagd

Zieleinlauf Rheinenergie Halbmarathon Köln
Kurz nach dem Zieleinlauf des Rheinenergie Halbmarathon Köln

Ich konnte mein Tempo immer weiter steigern und immer mehr Leute vom Beginn einholen. Meine Zeiten orientierten sich immer mehr Richtung 6:40/6:30 min pro Kilometer und von Müdigkeit keine Spur als wir zum zweiten Mal den Rudolfplatz passierten. Hier hatte ich auch endlich wieder die Möglichkeit meine Frau zu sehen und mich von ihr anfeuern zu lassen – wie gut das tat!

Kurz nach dem Rudolfplatz hatte mich auch an die Fersen einer Läuferin gehangen die ungefähr mein Tempo lief. Ich beobachte sie ein Stück während wir nach Ehrenfeld liefen. Sie fluchte bereits energisch und schien immer mehr zu kämpfen. Da es mir weiterhin blenden ging, schien das für mich ein wenig die Initialzündung bei ca. Km 15/16 gewesen zu sein.

Noch nie war ich so weit und so schnell unterwegs gewesen und und wollte nun wissen was noch gehen sollte. Ich zog das Tempo weiter an und die Kilometermarkierungen flogen an mir vorbei. Ich lief wie auf Wolken und schien der einzige zu diesen Zeitpunkt zu sein, der noch Boden gut machen konnte und wollte. 6:10 min und 6:05 min waren weiterhin noch drin als ich das letzte Mal am Rudolfplatz vorbei lief. Von nun an war Schlusssspurt angesagt. So ging es dann noch am neumarkt vorbei und von dort dann über die Hohe Straße Richtung Dom.

#derdomistdasziel war im Vorfeld immer der Hashtag im zusammenhang mit der Veranstaltung. Leider jedoch sind die letzten Meter, die Zielgerade, mit rotem Teppich, vom Dom wegführend. Mit dem Dom also im Rücken ging es dann überglücklich um genau 11:11 Uhr, über den roten Teppich durch den Zielbogen. 2 Stunden 21 Minuten hatte es dann nur gedauert, die 21,1 km hinter mich zu bringen.

Schlemmen im Zielbereich

REWE Verpflegungsdorf Rheinenergie Halbmarathon Köln 2018
Das Verpflegungsdorf nach dem Halbmarathon in Köln 2018

Was für eine unglaubliche Verpflegungsauswahl im Zielbereich! Von Stullen über Nüsse und Süßigkeiten bis hin zu Brühe wurde einen hier wirklich alles geboten, was sich der dehydrierte und ausgehungerte Läufer sich wünscht. Einzig die Anordnung der Buden erwies sich als schwierig, da man, je nach Wunsch, sich schon mal von rechts nach links durch die Menschenmassen kämpfen musste. Leider waren die Auswahl auf den beiden unterschiedlich. Wer aber nicht wählerisch war, wurde schnell zufriedenstellend fündig.

Umkleide, Duschen und Rückgabe der Beutel

Nachdem man sich durch den Schlauch des Verpflegungsdorfes gekämpft hatte und auch die wartenden Angehörige am Ausgang überwunden war konnte man sich zur Ausgabe der Beutel machen. Diese lag leider einige Gehminuten entfernt und dann leider auch in einer anderen Richtung als die Duschen und Umkleiden. Hatte man das Zelt zu seiner Startnummer gefunden, gab es den Beutel eigentlich innerhalb weniger Sekunden.

Ich entschied mich dann hier, wie viele andere auch, mich nicht mehr auf den Weg zur Dusche und Umkleide zu machen, sondern mich vor Ort auf der Straße umzuziehen. Aus diesem Grund kann ich leider auch kein Statement zu der Dusche und Umkleide geben.

Abschließen traf ich mich dann mit meiner Frau und Freunden am Neumarkt, auf dem Gelände der Marathonmesse und genoss dort noch ein wenig die Marathonstimmung.

Finishermedallie und Startnummer RheinEnergie Halbmarathon Köln 2018

Fazit

Anmeldung

4 von 5 sternen

Einfache, unkomplizierte Anmeldung via online Plattform und Zubuchung diverser Zusatzleistungen.

Preise

3 von 5 Sterne

Wer früh bucht spart viel. Leider lässt sich der Veranstalter vieles bezahlen. Teilnehmer- und Finishershirt kosten jeweils extra. Versand der Startunterlagen für 12 Eur. Da ein Überlassung bzw. Weitergabe der Startnummer ausgeschlossen ist, ist der Abschluss der Rücktrittsversicherung eigentlich ein Muss.

Mit eingegriffen in der Startgebühr ist eigentlich auch nur die Verpflegung, Zeitmessung, eine Finishermedallie und ein „Starterpaket“ welches eigentlich nur die Startnummer, eine Dose Redbull und ein Coupon Heft beinhaltet. Immerhin war der Startbeutel selbst ganz nett.

Finishershirt

1 von 5 Sternen

Für einen satten Aufschlag von 25 € kann ein Finishershirt bestellt werden, welches im bereits im Vorfeld verschickt werden. Leider ist das Shirt weder schön noch etwas besonderes!

Für deutlich weniger gab es immerhin ein Trainingshirt. Dieses fand ich sogar deutlich ansprechender. Allerdings war das Shirt „nur“ aus Baumwolle.

Zeitmessung

4 von 5 Sternen

Einmal Transponder in der Startnummer. Leider wurde hier relativ kurzfristig der Championchip von mika ersetzt. Ich hatte mir im Jahr vorher extra noch einen angeschafft um mir in Zukunft die extra Leihgebühren zu sparen.

Anreise

5 von 5 Sterne

Anreise mit dem Auto völlig staufrei und stressfreie Parkplatzsuche dank Nähe gelegenen Parkhaus mit ausreichend Plätzen.

Streckenfuhrung

5 von 5 Sternen

Startet im links rheinischen Köln und führt relativ schnell, bei besten Köln Panorama auf die andere Rheinseite. Dort führt die Strecke dann durch einzelne Stadtteile und Viertel ehe am Dom das Ziel wartet.

Persönliches Highlight: der Rudolfplatz! 3 mal passieren die Läufer den Platz, dementsprechend hoch ist die Zuschauerdichte und Stimmung phänomenal!

Stimmung

4 von 5 Sternen

Unglaublich! Gerade an den Ballungsräumen wie Rudolfplatz, Neumarkt und Zielgerade ist die Stimmung kaum zu beschreiben. Überall am Streckenrand stehen. Musikanten oder ganze Bühnen die einen anfeuern. Leider fällt auf, dass der Start mit 8:30 Uhr für viele Besucher doch recht früh ist. So findet man gerade zum Beginn der Strecke vereinzelt wirklich leere Stellen am Streckenrand.

Verpflegung Strecke

4 von 5 Sterne

Hier gab es eigentlich nichts zu meckern. Die Abstände der einzelnen Stationen waren gut dosiert und somit für sie 21 km auch vollkommen ausreichend. Einzig einer wohl vorletzte Verpflegungspunkt war unnötig. Hier verteilte einer der Sponsoren seinen Energie Drink, was zur Folge hatte, daß die nächsten hundert Meter Strecke völlig verklebt waren.

Verpflegung Zielbereich

4 von 5 Sternen

Hier bliebt kaum ein Wunsch offen. Einzig die unterschiedliche Verpflegung an den beiden Standreihen nervte.

Duschen und Umkleiden

1 von 5 Sterne

Da

Gesamt

32 von 50 Sternen

Insgesamt eine wirklich gelungene Veranstaltung. Auch wenn mein Blick vielleicht durch die Glückshormone meines Debüts getrübt gewesen sein mag.

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